Bundespräsidentenwahl 2016 – Bedrohung von links oder von rechts?

Der österreichische Bundespräsident wird direkt vom Volk gewählt. In der kommenden Stichwahl liegen die beiden verbliebenen Kandidaten ideologisch so weit auseinander wie nie zuvor in unserer Geschichte. Politik zu machen heißt nicht, große Werte von links oder rechts umzusetzen und eine Kultur zu bestimmen. Hardliner von links verdammen die Rechten und Hardliner von rechts fürchten den Untergang der Zivilisation durch eine Übermacht von links. Politik zu machen bedeutet stattdessen, ein gemeinsames Gut zu suchen.

Wir übersehen, was eine echte Veränderung ermöglicht. Nur ein gelebtes Leben bringt den Wandel. Schon 1968 sagte Luigi Giussani: „Nur durch ein gelebtes Leben kann man in einer Gesellschaft wie dieser noch etwas Neues hervorbringen. Auf keine Struktur, Initiative, Organisation oder Partei ist Verlass. Nur ein andersartiges, neuartiges Leben kann Strukturen, Initiativen und Beziehungen, mit einem Wort: alles revolutionieren.“

Die echte Bedrohung liegt in unserer Passivität und Ignoranz. Wir sind müde, ängstlich, übersättigt oder unzufrieden. Wo liegt unsere Sehnsucht?

Papst Franziskus sagte am 6. Mai 2016: „Was ist los mit dir humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist los Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten? Was ist los mit dir Europa, du Mutter von Völkern und Nationen, Mutter großer Männer und Frauen, die die Würde ihrer Brüder und Schwestern zu verteidigen und dafür ihr Leben hinzugeben wussten?“

Was ist los mit dir, Europa? Was ist los mit dir, Österreich?

Der Papst fährt fort: „Lassen wir uns von der Vergangenheit inspirieren, um mutig dem vielschichtigen mehrpoligen Kontext unserer Tage zu begegnen und dabei entschlossen die Herausforderung anzunehmen, die Idee Europa zu aktualisieren. Es ist die Fähigkeit zur Integration, die Fähigkeit zu Dialog und die Fähigkeit etwas hervorzubringen.“

Fangen wir wieder an zu leben. Bauen wir auf, engagieren wir uns, setzen wir uns ein. Was heißt es zu leben? Es geht nicht um Aktivismus, sondern um ein Engagement, das von einem Selbstbewusstsein genährt wird, das aus einer Begegnung hervorbricht und eine Suche, eine Sehnsucht entstehen lässt, die nur das Unendliche stillen kann.

Halten wir uns nicht mit Ideologie und Populismus auf. Fragen wir uns: Wer unterstützt uns mehr im Engagement zur Integration? Wer sehnt sich nach Bedingungen, die einen echten Dialog ermöglichen? Wer gibt unserer Leidenschaft einen Raum, um etwas hervorzubringen? Lassen wir uns nicht blenden und wählen wir …

Die Freiheit verteidigen – Verantwortung fördern

Stellungnahme zur Europawahl 2009

In Europa geht es um mehr als eine Marktregulierung zur Überwindung der Wirtschaftskrise. Es geht um die Möglichkeit einer menschlichen Erfahrung, die aus persönlicher oder gemeinschaftlicher Freiheit und Kreativität erwächst. Schon jetzt besteht weit über die Hälfte der Gesetzgebung nur noch in der Umsetzung europäischer Richtlinien, die auf EU-Ebene beschlossen wurden. Und diese bergen zunehmend die Gefahr, das Leben der Bürger zu reglementieren und die Ausdrucksmöglichkeit der Person und der sozialen Körperschaften einzuschränken.

Europa wird sich nur behaupten können, wenn es die Person in ihrer unwiederholbaren Einmaligkeit respektiert und seine Freiheit achtet, die allein in der Lage ist Kreativität, Nächstenliebe, Vertrauen und Arbeit hervorzubringen.

Dazu muss die EU vor allem das Subsidiaritätsprinzip beachten. Nachdiesem Grundsatz darf der Staat nur jene Aufgaben regeln undübernehmen, die der Einzelne von sich aus nicht leisten kann. Zugleichruft dieses Prinzip die Freiheit des Einzelnen in die Verantwortung. Indiesem zutiefst demokratischen Verständnis muss die EU-Institution alsoim Dienste der Bürger stehen.

Deshalb muss die Europäische Union all jene Bedingungen fördern, diedem Menschen ermöglichen, sein Bedürfnis nach Wahrheit, Gerechtigkeitund Schönheit auszudrücken. Dabei gilt es, die eigenen geschichtlichen,religiösen und kulturellen Traditionen zu respektieren und aufzuwerten.

Je mehr Bürger zu einem Wandel der sozialen Wirklichkeit in einemenschliche Wohnstätte beitragen, desto mehr wird Europa zu einem Ortkreativer Freiheit. Dies ermöglicht zugleich einen fruchtbaren Dialogfür Frieden und Fortschritt mit allen anderen Völkern.

Die Tendenz auf EU-Ebene, die Freiheit zunehmend einzuschränken,betrifft auch eine Wirklichkeit, die durch ihre Gegenwart vielenMenschen Hoffnung schenkt: die Kirche. Daher ist die Verteidigung der libertas Ecclesiae – des freien Handelns der Kirche in Europa die Verteidigung der Freiheit und der Zukunft aller.

  • Absoluten Vorrang muss die Erziehung haben. Deshalb muss    wesentlich mehr in Wachstum und Bildung von Kindern und Jugendlichen    investiert werden. Denn von ihnen hängt nicht zuletzt die Zukunft der    Gesellschaft ab.
  • Zu den Prinzipien, die nicht verhandelbar sind, gehört der Schutz    des menschlichen Lebens vom Anfang bis zu seinem natürlichen Ende sowie    die Verteidigung der traditionellen Familie.
  • Damit das Wirtschaftssystem nach dem Prinzip der Subsidiarität    wieder erstarken kann, ist Folgendes notwendig: Wenige, aber wirksame    Regeln, um einen Markt zu garantieren, der nicht Beute finanzieller    Spekulationen wird; eine internationale Zusammenarbeit, die nicht in    Protektionismus umschlage darf; ein Bankensystem, das die Aufgabe hat,    Familien und Unternehmen zu unterstützen.

Angesichts der dramatischen Herausforderungen des Lebens bezeugentausende Menschen tagtäglich durch ihren Einsatz, ihre Mühen und ihreArbeit eine Hoffnung, die es gestattet, auch große Schwierigkeiten anzugehen, ohne die Sehnsucht nach Glück abzutöten. Der Relativismus(für den alles gleich ist) und der Nihilismus (für den nichts einenWert hat) entleeren hingegen die Verantwortung gegenüber der Bestimmungdes Menschen und machen unsere Gesellschaft eintönig.

Daher unterstützen wir jene, die in Europa die Politik in den Dienst der freien, verantwortlichen und solidarischen Personen stellen.
Das gilt besonders für jene Kandidaten, die in den vergangenen Jahrenim Europäischen Parlament für ein anderes Handeln standen, dem es nichtum eine theoretische Verteidigung von «Werten» ging, sondern um eine Aufmerksamkeit für Personen in ihrer konkreten Menschlichkeit und ihren Werken.

Atlantis Kulturinitiative

Flugblatt zur Europawahl